Für mich ist das Fahren mit dem Zug eine der entspanntesten Möglichkeiten, zu reisen und weitere Strecken zurückzulegen. Zugfahrten sind relativ sicher, man kann während der Reise aus dem Fenster gucken und nebenher noch andere Dinge machen. Besonders reizvoll wird es, wenn die Zugfahrt an sich schon zum Highlight einer Reise wird. Dies ist etwa bei der Alpenüberquerung per Zug der Fall. Der Bernina Express, ein Zug über die Alpen von der Schweiz bis nach Italien, gilt als eine der schönsten Bahnstrecken Europas und sogar der Welt. Ich wollte diese Erfahrung nicht auslassen und buchte eine Fahrt.
Der Bernina Express startet in der Schweiz in Chur. Chur ist eine kleine Stadt im südöstlichen Kanton Graubünden. Vor allem von Süddeutschland aus ist man relativ schnell, in 3 bis 4 Stunden, dort. Aber auch für andere deutsche Regionen gibt es gute Anschlüsse und günstige Angebote der Deutschen Bahn. Wir haben einen Zug ganz früh morgens von Frankfurt am Main aus genommen. Die Fahrt dauerte rund 5 Stunden mit Umstieg in Zürich und kostete nur rund 30 Euro. Die Fahrt ab Zürich war auch schon atemberaubend, denn der Zug fuhr direkt am Zürichsee mit türkisblauem Wasser entlang.
Chur: Älteste Stadt der Schweiz
In Chur kamen wir zur Mittagszeit an. Chur gilt als die älteste Stadt der Schweiz. Sie verfügt über eine schöne und quirlige Innenstadt mit Straßen aus Kopfsteinpflaster und verwinkelten Gassen. Die Altstadt ist autofrei. Neben zahlreichen Lokalen und kleinen Läden gibt es auch kulturelle Sehenswürdigkeiten wie die Kathedrale St. Mariä Himmelfahrt. Aber auch Naturliebhaber kommen auf ihre Kosten: Chur schmiegt sich an die Alpen. Mit der Luftseilbahn, die sich direkt in der Stadt befindet, kann man schnell in die Berge – zum Hausberg Brambrüesch – gelangen. Graubünden ist der größte Kanton in der Schweiz und weist die größte Naturvielfalt auf. Es gibt dort viele Steinböcke, Gämsen, Hirsche und Murmeltiere.
Wir haben in Chur eine Nacht verbracht, und zwar im mitten in der Altstadt gelegenen Hotel Franziskaner. Das Hotel war entsprechend des hohen Schweizer Preisniveaus eher bescheiden eingerichtet, aber für eine Nacht ausreichend. Das dazugehörige Restaurant bietet neben einem Frühstücksbuffet für die Hotelgäste auch mittags und abends Bewirtung mit italienischen Spezialitäten und Speisen aus der Region – wie dem Bündner Fleisch oder Gerstensuppe.

Fahrt mit Bernina Express von Chur nach Tirano
Am nächsten Morgen ging es dann los. Der Bernina Express fährt von Chur mindestens ein Mal am Tag ab. Wir nahmen den Zug am Morgen. Abfahrt ist vom Churer Hauptbahnhof, das Gleis wird auf der Tafel mit allen Zugabfahrten bekanntgegeben. Ich deckte mich am Bahnhof noch mit Proviant wie Schweizer Schokolade ein. Ein Zugticket ist ziemlich erschwinglich: Es kostete inklusive Sitzplatzreservierung 66 CHF (das sind umgerechnet aktuell rd. 70 Euro). Leider mussten wir nur beim Auffinden unserer Sitze feststellen, dass wir gegen die Fahrtrichtung saßen. Das Zugabteil war auch komplett belegt, sodass ein Sitztausch unmöglich war. Es empfiehlt sich, einen Sitzplatz mit ungerader Nummer zu buchen, da diese in Fahrtrichtung sind. Jedoch gab es noch einen Stehplatz in der Nähe der Toilette, wo man das Fenster öffnen konnte (im Gegensatz zum Fenster beim Sitzplatz). Die hohen Panoramafenster am Sitzplatz ermöglichten jedoch auch einen guten Rundumblick in die Landschaft. Zuerst fuhren wir durch das grüne Tal (es war Spätsommer und es lag somit noch kein Schnee). Dann fuhr der Zug langsam mehrere Steigungen mit Kurven hoch und durchquerte einige Tunnel.

Beim Hochfahren änderte sich auch die Landschaft. Irgendwann waren die ersten schneebedeckten Gletscher zu sehen. Ein absolutes Highlight für mich waren die hochalpinen Seen, wie der Lago Bianco (der weiße See) und der Lago Nero (der schwarze See). Einige der Seen waren so klar, dass sich die Landschaft darin spiegelte.
Nach Erreichen des höchsten Punktes der Strecke, der Bernina Passhöhe auf einer Höhe von rund 2.300 Metern über dem Meeresspiegel, ging es wieder bergab. Der Bernina Express hält bei mehreren Dörfern, wo Leute auch noch zusteigen. Auf der rund 4 Stunden dauernden Fahrt gibt es auch einen Stop bei Alp Grüm, wo die Gäste alle aussteigen und Fotos von der schönen Landschaft mit den Alpentälern machen können.

Insgesamt verging die Zeit superschnell. Als wir mit dem Bernina Express gefahren sind, war das Wetter schön. Ich kann mir vorstellen, dass auch eine Fahrt im Winter bei Schnee sehr beeindruckend ist.
Tirano: Angekommen im Dolce Vita
Am frühen Nachmittag kamen wir in der italienischen Stadt Tirano an. Hier verbrachten wir ebenso eine Nacht. In Tirano war es sehr warm. Auch wenn es hier eine große Auswahl an Restaurants gibt, wo man das Dolce Vita genießen kann, hat mich in Tirano etwas die Lage an der Hauptstraße gestört, wo viele LKWs vorbeigedonnert sind und es dementsprechend laut war. Sehr sehenswert fand ich die Kirche Basilika Madonna di Tirano.
Bernina Express buchen: https://tickets.rhb.ch/de/pages/bernina-express