Sonnencreme: Freund oder Feind?

Sonnencreme-Tube

Substanzen, die die Fruchtbarkeit schädigen, in Sonnencreme?! Vor kurzem hat das Umweltbundesamt bekanntgegeben, dass in Urinproben von Kindern und Jugendlichen erneut hohe Konzentrationen eines fortpflanzungsschädigenden Stoffs gefunden wurden: MnHexP. Dabei handelt es sich um ein Abbauprodukt eines Weichmachers. Als Quelle für den schädlichen Stoff wird ein UV-Filter von Sonnencremes, nämlich DHHB, ausgemacht. Dieser sehr beunruhigende Befund bereits bei Kindern wirft die Frage auf, ob Sonnenschutzmittel mehr Schaden als Nutzen bringen.

Dazu tobt bei Social Media ein Meinungskrieg: Einerseits diejenigen, die predigen, dass Sonnenschutzmittel jederzeit – auch im Winter und wenn man sich größtenteils innen aufhält – aufgetragen werden sollte, um vorzeitiger Hautalterung vorzubeugen. Auf der anderen Seite die Content Creator, die behaupten, dass Sonnencremes gesundheitsschädigend sind und die Sonne unser Freund und nicht Feind ist. Welche Seite hat nun Recht?

Wie wichtig ist Sonnencreme bei der täglichen Hautpflege?

Die Sonne ist unser Lebenselixier. Ohne sie wäre kein Leben auf der Erde möglich. Auch für unseren Körper ist Sonne wichtig: ihre Strahlen führen dazu, dass Vitamin D in unserem Körper gebildet werden kann. Auch für unser Immunsystem und unsere Psyche ist Sonnenstrahlung, wenn sie nicht zu lange auf uns einstrahlt, förderlich. Andererseits hat die Sonne auch ihre „Schattenseiten“: Neben der sichtbaren Strahlung und Infrarotstrahlen sendet sie ultraviolette (UV-) Strahlung aus, die neben der Bräunung der Haut auch Hautkrebs und Falten verursachen kann.

Eine Sonne – viele Sonnenschutzmittel

Wenn man in der Drogerie vor dem Regal mit Sonnenschutzmitteln steht, fällt einem die große Auswahl an Produkten auf. Dabei unterscheiden sich die Sonnenschutzmittel nach ihrem Fett- bzw. Wasseranteil. Dabei gilt: Je höher der Fettanteil, desto geringer der Wasseranteil. Hier eine Liste mit absteigendem Fettanteil:

  • Sonnenöl besitzt, wie der Name schon verrät, den höchsten Fettanteil. Sie hat oft einen niedrigeren Sonnenschutzfaktor und eignet sich deshalb für Menschen mit vorgebräunter Haut.
  • Sonnencreme hat einen höheren Fettanteil als Sonnenmilch und eignet sich deshalb für Menschen mit trockener Haut.
  • Sonnenmilch, Sonnenlotion oder Sonnenfluid: Diese haben einen höheren Wasser- als Fettanteil. Sie lassen sich dementsprechend leichter auf der Haut verteilen. Sie ist dementsprechend für Menschen mit normaler bis fettiger Haut am besten geeignet.

Daneben gibt es noch Tagescremes und Make-up-Produkte, die mit Lichtschutzfaktor (LSV/ oder auch engl. Sun Protecting Factor (SPF)) angeboten werden. Diese sind aber für einen vollständigen Sonnenschutz meistens nicht geeignet, da sie nicht vor den tiefer in die Haut eindringenden UV-A-Strahlen schützen.

Gefährliche Sonnenstrahlen

Bei den ultravioletten (UV-) Strahlen, die von der Sonne bis zur Erdoberfläche vordringen, handelt es sich um UV-A- und UV-B-Strahlen. Während die langwelligen UV-A-Strahlen zu 100 % auf die Erdoberfläche treffen, werden die kurzwelligen, aber besonders energiereichen UV-B-Strahlen zum großen Teil von der Atmosphäre absorbiert. Die UV-A-Strahlen können tief in die Haut – bis in die Lederhaut – eindringen und verursachen hier Zeichen der Hautalterung wie Falten. UV-B-Strahlen sind maßgeblich an der Vitamin D-Produktion im Körper beteiligt. Auf der anderen Seite können sie noch mehr Hautschäden in der Haut anrichten als UV-A-Strahlen: sie können Hautschäden wie Sonnenbrand, Schäden an der DNA und in der Folge Hautkrebs auslösen. Die Bräunung der Haut ist ein erstes Anzeichen dafür, dass die Haut Schaden genommen hat und sich versucht zu schützen.

Wolkiges Wetter und der Aufenthalt im Schatten bedeuten nicht, dass man vor UV-Strahlen geschützt ist. Eine Studie hat aufgewiesen, dass die UV-Strahlung bei bewölktem Wetter unter Umständen sogar höher sein kann, da die Wolken die UV-Strahlung zurück auf die Erde reflektieren. Der UV-Index, der in der Wetter-App angezeigt wird, ist ein zuverlässiger Indikator, wie hoch die Strahlenbelastung gerade ist. Ein UV-Index ab 3 gilt als hoch. Dann empfiehlt es sich, Sonnenschutzmittel anzuwenden.

Wie funktioniert Sonnencreme?

Bei Sonnenschutzmitteln wurde bisher immer zwischen chemischer und mineralischer Sonnencreme unterschieden. Bei UV-Filtern auf Basis der mineralischen UV-Filter Titandioxid und Zinkoxid wurde angenommen, dass diese die UV-Strahlen auf der Haut wie ein Spiegel reflektieren. Bei chemischen Sonnencremes wurde angenommen, dass hier die UV-Filter in die Haut eindrängen und dort die UV-Strahlung in Wärme umwandeln. Nach neuesten Erkenntnissen (siehe zum Beispiel hier: https://www.youtube.com/watch?v=rBW65Jbesjw) ist diese Unterscheidung aber hinfällig. Denn auch mineralische Sonnenschutzmittel werden synthetisch (also chemisch) hergestellt. Außerdem wurde herausgefunden, dass nur ein kleiner Teil der UV-Strahlung reflektiert wird. Der Rest wird ebenso umgewandelt. Bei chemischen UV-Filtern wurde erkannt, dass hier die Umwandlung in Wärme auf der Haut geschieht, und nicht durch das „Schlucken“ durch die Haut. Bei den chemischen UV-Filtern handelt es sich meistens um erdölbasierte Kohlenstoffverbindungen.

Wie schädlich ist Sonnencreme?

Vor allem bei chemischen Sonnencremes wird kritisiert, dass deren UV-Filter ein Risiko für die Gesundheit darstellen können. Auch wenn die Rezepturen für chemische Sonnencremes immer wieder erneuert werden, sollte man beim Kauf auf folgende Begriffe in der Inhaltsstoffe-Liste achten, um schädliche Wirkstoffe auszuschließen. Diese sind in der EU mit bestimmten Grenzwerten (zum Beispiel mit einem Anteil von max. 10%) erlaubt.

DHHB: Dieser Stoff ist deshalb problematisch, weil mit der Zeit chemisch ein Nebenprodukt, DnHexP, entstehen kann. Dies wiederum kann vom menschlichen Körper zum Weichmacher MnHExP verstoffwechselt werden. Dieser Stoff gilt als fortpflanzungsschädigend (siehe oben auch die genannte Studie vom Umweltbundesamt).

Oxybenzon (auch Benzophenon -3 genannt): Bei diesem Stoff wird vermutet, dass er Krebs und Allergien auslösen kann. Außerdem soll es hormonell wirksam sein. Darüber hinaus ist es extrem giftig für Meereslebewesen. Zum Beispiel stört es die Entwicklung von Fischlarven. Der Stoff löst sich in Wasser kaum auf.

Octocrylen: Dieser Stoff kann in Sonnenschutzmitteln, aber auch anderen Kosmetika wie Anti-Aging-Cremes enthalten sein. Bei diesem Stoff wird eine krebserregende, hormonwirksame und allergieauslösende Wirkung vermutet. Er soll die Fortpflanzungsfähigkeit einschränken. Dabei ist nicht Octocrylen selbst das Hauptproblem, sondern sein Abbaustoff Benzophenon. Dieser entsteht, wenn die Sonnencreme länger herumliegt. Deshalb sollte man ältere Sonnencreme lieber entsorgen und nicht über eine Saison hinaus benutzen.

Octinoxat (auch Ethylhexylmethoxycinnamat genannt): Dieser Stoff steht im Verdacht, hormonähnlich zu wirken und damit den Hormonstoffwechsel durcheinanderzubringen. Auch er soll sich schädlich auf die Umwelt auswirken. In Regionen mit geschützten Korallenriffen ist der Stoff verboten.

Homosalat: auch dieser chemische UV-Filter steht im Verdacht, hormonell wirksam und damit gesundheitsschädlich zu sein. Außerdem wurde in Tierversuchen nachgewiesen, dass Homosalat Leber, Nieren und die Schilddrüse schädigen kann!

Octisalat: Auch hier wird eine hormonähnliche Wirkung vermutet.

Encazamen: (auch 4-Methylbenzylidencampher genannt): Dieser UV-Filter wird als hormonell wirksam eingestuft.

Etocrylen: Auch hier besteht die Vermutung, dass es hormonell wirkt

Diese komplexen chemischen Begriffe kann man sich schlecht einprägen. Deshalb können Apps wie Codescanner oder ToxFox helfen, in Sekundenschnelle die Inhaltsliste zu analysieren und zu identifizieren, ob ein kritischer UV-Filter im Sonnenschutzmittel enthalten ist.

Auch bei mineralischen Sonnenschutzmitteln ist nicht alles unbedenklich. Zwar werden diese von Menschen mit empfindlicher Haut oder Allergien besser vertragen. Doch hier ist der Stoff Titandioxid anzumerken. Wusstest Du, dass Titandioxid als weiße Farbe im Handwerk, in Kosmetika und Medikamenten eingesetzt wird? Auch in Lebensmitteln wurde es zur Aufhellung eingesetzt. Seit 2022 ist es jedoch in der EU in Lebensmitteln verboten! Es wurde wegen möglicher erbgutschädigender Wirkung als nicht mehr sicher eingestuft! Seltsam nur, dass es weiterhin in Kosmetika wie Zahnpasta oder auch Medikamenten erlaubt ist. Auch Zinkoxid ist ein Weißpigment. Dessen Wirkung wird aber bisher als unbedenklich eingestuft. Ein weiteres Problem bei „mineralischen“ Sonnencremes sind Nanopartikel. Diese werden in mineralischen Sonnencremes gerne eingesetzt, da diese sich dann besser auf der Haut verreiben lassen und keinen weißen Film verursachen. Auf der anderen Seite stehen die winzigen Partikel im Verdacht, vor allem bei einer geschwächten Hautbarriere oder bei sensibler Kinderhaut leichter in den Körper eindringen zu können und dort sich bspw. in Organen oder Lymphknoten anzureichern.

Darüber hinaus können in Sonnenschutzmitteln auch weitere Substanzen enthalten sein, die weder für den Menschen noch für die Umwelt zuträglich sind, wie Mikroplastik, Duftstoffe oder Parfüm. Auch hier kann ein Scan mit einer der genannten Apps helfen, Licht ins Dunkel zu bringen.

Sonnencreme: Ist sie nun gut oder schlecht?

Einige der Leute, die vor Sonnenschutzmitteln warnen, argumentieren, dass diese auch die Vitamin D-Bildung im Körper blockiert. Wissenschaftler weisen jedoch darauf hin, dass die Strahlung stark genug ist, um die Vitamin D-Produktion anzuregen.

Einige weisen auch darauf hin, dass die Anzahl der Hautkrebsfälle in den letzten Jahrzehnten rasant angestiegen ist. Offizielle Statistiken beweisen das: so hat sich allein in den vergangenen 20 Jahren die Anzahl der im Krankenhaus behandelten Hautkrebsfälle in Deutschland verdoppelt – von rd. 60.000 auf 120.000 Fälle. Dies wird auch gerne als Argument genutzt, um zu beweisen, dass Sonnenschutzmittel Krebs nicht verhindern, sondern eher zu fördern scheinen. Hier liegt jedoch meiner Meinung nach ein falsch angenommener Zusammenhang zugrunde. Viele Leute, die Sonnencreme auftragen, wägen sich in falscher Sicherheit und legen sich den ganzen Tag in die Sonne. Dabei vergessen sie, dass Sonnencreme nur ein Baustein beim Sonnenschutz ist. Sonnenabstinenz während der Mittagszeit und schützende Kleidung und Kopfbedeckung sind genauso wichtig, um sich vor der Sonne zu schützen. Das leben auch die Menschen in südlichen Ländern vor, die in der Mittagszeit eine Siesta einhalten und sich währenddessen vor der Sonne verstecken. Zudem haben Menschen mit hellerem Hauttyp ein höheres Risiko, in kurzer Zeit sich einen Sonnenbrand einzuholen und damit langfristige Schäden davonzutragen.

Auf der anderen Seite ist das konsequente Verstecken vor der Sonne meiner Ansicht nach auch nicht der richtige Weg. Auch in der Forschung verschiebt sich gerade die Ansicht, dass Sonne und die UV-Strahlen nur Schaden bringen. Wie dieser Artikel in der Apotheken Umschau beleuchtet, wurde beispielsweise bisher herausgefunden, dass in sonnenreichen Ländern wie Australien es zwar eine hohe Hautkrebsrate gibt. Dafür weisen sonnenreiche Länder im Vergleich zu kälteren Regionen niedrigere Raten für andere Krebsarten auf. Ganz zu schweigen von der hohen Bedeutung für Vitamin D für unseren Körper, das am effektivsten durch die Sonne gebildet werden kann. Tabletten haben nachweislich nicht die gleiche starke Wirkung wie Sonne.

Ich persönlich liebe die Sonne und bin der Überzeugung, dass ein überschaubarer Aufenthalt draußen in der Sonne für meine Psyche und Gesundheit förderlich ist. Wenn ich mal länger draußen unterwegs bin, greife ich dann doch auf Sonnencreme zurück und versuche da, auf eine cleane Formulierung zu achten. So kann ich den Sommer und die Sonne ohne Bedenken genießen.

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