Die Komfortzone regelmäßig verlassen: Sechs Maßnahmen

Luftballons

Wenn wir jung sind, haben wir einen unbändigen Drang, Neues auszuprobieren, die Welt kennenzulernen und herauszufinden, was uns gefällt und wer wir sind. So habe ich in den Teenager-Jahren viele Bands, die ich heute noch höre, entdeckt, bin in die Welt der Literatur tief eingetaucht und habe meine Lust aufs Reisen entdeckt. Ich habe verschiedene Sportarten ausprobiert, von denen ich die meisten irgendwann wieder aufgegeben habe. Beruflich habe ich während meiner Studienzeit durch Praktika verschiedene Branchen erkundet und dann nach dem Studium mit etwas Anlaufschwierigkeiten den Einstieg in meinen Wunschbereich – die Medienbranche – geschafft.

Fest etabliert oder festgefahren?

Doch nun nach einigen Jahren im Beruf macht sich Ernüchterung breit. Ich bin erfolgreich im Job. Aber was lerne ich noch Neues? Ich habe freundliche Chefs. Aber wann haben die mich das letzte Mal so richtig gefordert? Oder sich die Mühe gemacht, mich als Mensch kennenzulernen? Ich habe ein ruhiges, relativ sicheres Leben. Doch wann habe ich das letzte Mal mir vor Lachen fast in die Hosen gemacht oder Nervenkitzel verspürt? Und so ist mein Inneres zerrissen zwischen dem Ich, das es sich in der Komfortzone gut eingerichtet hat und dem anderen Ich, das nach mehr dürstet und Abenteuer erleben will und sich lebendig fühlen will. Man muss vielleicht nicht sein Leben über den Haufen werfen, um seine Komfortzone zu verlassen. Man kann versuchen, im Alltag seinen Horizont zu erweitern und sich für die großen Abenteuer ein Polster zu schaffen, sodass man weich fällt. Hier sind ein paar Anregungen, um seine Komfortzone regelmäßig zu verlassen.

  1. Etwas Neues lernen

Unser Gehirn mag es, Neues zu lernen. Dies müssen nicht unbedingt geistige Aktivitäten wie Fremdsprachen sein, sondern auch sportliche oder andere Aktivitäten. So habe ich mir dieses Jahr den Wunsch erfüllt, Stand up Paddling auszuprobieren. Ich fand es schon eine Überwindung, gerade auf dem Board zu stehen und über das Wasser zu rudern. Auch wenn mich dieser Sport herausgefordert hat, ist es doch nicht der richtige Sport für mich. Ich brauche mehr Geschwindigkeit und Action.

2. Menschen treffen

Jeder Mensch, dem wir begegnen, beeinflusst uns in irgendeiner Weise. So können uns Menschen in unseren Wünschen bestärken, uns herausfordern, unser Verhalten spiegeln oder uns beflügeln. Wenn wir uns mit Menschen unterhalten, können wir Neues über die Welt, andere Sichtweisen und Erfahrungen kennenlernen. So kann auch das Treffen mit Menschen, die ganz anders sind wie wir, oder mit fremden Menschen eine Horizont-erweiternde Erfahrung sein.

3. Neue Sachen ausprobieren

Dieser Punkt bezieht sich nicht auf Sachen, für die man länger braucht, um sie zu können, sondern auf Dinge, die man schnell ausprobieren kann. So habe ich festgestellt, dass ich auch in meiner Ernährungsweise ziemlich festgefahren bin. Wann habe ich das letzte Mal eine exotische Speise probiert? Und wann beim Italiener mal eine andere Pizza bestellt?

4. Eine neue Karriere wagen

Wenn man in einem Beruf seit Jahren arbeitet, wähnt man sich auf der sicheren Seite. Schließlich verdient man so seinen Lebensunterhalt und die Jahre an Berufserfahrung kann einem niemand wegnehmen. Trotzdem sollte man sich auf seinen Skills auch nicht zu sehr ausruhen. Schließlich weiß man nie, wie der Arbeitsmarkt sich entwickelt. Oder was wäre, wenn eine Wirtschaftskrise im Land eintritt und man gezwungen wird, auszuwandern? Könnte man seine Fähigkeiten auch in einem anderen Land einsetzen? Vor allem in Deutschland herrscht eine Angstkultur. Häufige Berufswechsel werden nicht gerne gesehen und auf Zeugnisse und Zertifikate wird viel Wert gelegt. Dabei zählt Learning by Doing und eine pragmatische Herangehensweise viel mehr als tote Theorie. Und die Anzahl der Berufsjahre sagt auch nicht viel darüber aus, was man in dieser Zeit alles gestemmt hat. Vor allem in jungen Jahren sollte man mehr Mut zum Scheitern haben. Finanzielle Fehler kann man noch einfacher ausbügeln und man ist noch flexibler und aufnahmefähiger.

5. Neue Verhaltensweisen lernen

Die Persönlichkeit formt sich im jungen Erwachsenenalter und danach nie wieder? Dieser Mythos wurde von der Wissenschaft schon längst widerlegt. Die Persönlichkeit ändert sich ständig und ist bis ins hohe Alter formbar. Aber trotzdem sollte man sich bewusst sein, dass wir die authentischste Form von uns selbst wohl im Kindesalter waren, bevor uns die Eltern und die Umgebung geformt haben. Oft hängen wir im Erwachsenenalter in veralteten Verhaltensmustern fest. Dabei sollten wir uns unserer Ängste bewusstwerden, diese abstreifen und herausfinden, wer wir sind und was wir wirklich wollen und versuchen, dies zu erreichen.

6. Ängste überwinden

Es gibt Dinge und Tätigkeiten, vor denen wir Angst haben. Eine der am meisten vorkommenden Ängste ist das Vortragen vor Publikum. Eine der effektivsten Wege, seine Ängste zu überwinden, ist das zu tun, wovor wir Angst haben. Wir fühlen körperlich die Angst, spüren den Widerstand in uns aufsteigen und vielleicht Schweißperlen auf der Stirn, aber das sollte uns nicht davon abhalten, ES zu tun. Dadurch können wir wachsen und unser Gehirn lernen, dass unsere Angst nicht begründet ist, das heißt keine wirkliche Gefahr für Leib und Leben von der Sache oder Tätigkeit ausgeht.

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