Finden statt Suchen – Methoden zur Entscheidungsfindung

Fragezeichen Entscheidungen

Unser Leben besteht aus kleinen und großen Entscheidungen. Während wir die kleinen Entscheidungen schnell treffen müssen, um überhaupt normal leben zu können, verlangen uns die großen Entscheidungen doch mehr Mühe ab, da sie einen viel größeren Effekt auf unser Leben haben. Stell dir vor, du würdest vor dem Supermarktregal eine Stunde überlegen, welchen Käse du einkaufen sollst. Das wäre unheimlich viel Lebenszeit in Relation zum Effekt, den diese Entscheidung hat.

Anders sieht es bei Fragen zum Job, Beziehung, Zukunftsplanung oder Wohnort aus. Unsere jetzige Situation, praktisch unser „Standort“ im Labyrinth des Lebens, ist ein Resultat unserer vergangenen Entscheidungen. Doch warum fällt es uns so schwer, bei den großen Fragen uns zu entscheiden? Zum Beispiel den Job zu kündigen, einen neuen Job anzunehmen oder eine Beziehung zu beenden? Weil diese Entscheidungen mit Veränderungen verbunden sind und einen ungewissen Ausgang haben. Was, wenn ich nach der Kündigung nicht sofort einen neuen Job finde? Was, wenn der neue Job sich doch als „Shit Job“ herausstellen sollte? Was, wenn ich nicht (so schnell) einen neuen Partner finde und mich einsam fühle?

Noch auswegloser erscheint die Situation, wenn wir spüren, dass die aktuelle Lebenssituation nicht zufriedenstellend ist, aber man nur eine vage Idee davon hat, wie man sie ändern soll. Wenn man nicht sieht, was es noch  für Optionen gibt.

Bei einem Workshop zur Entscheidungsfindung bei einer Mentaltrainerin wollte ich Methoden kennenlernen, wie man Entscheidungen einfacher treffen kann. Bei dem halbtägigen Seminar habe ich ein paar gute Learnings mitgenommen, die ich euch nicht vorenthalten will. Darüber hinaus möchte ich noch andere Techniken vorstellen, wie man besser Entscheidungen fällen kann.

Wenn man nicht selbst steuert, wird man gesteuert.

Eine Kursteilnehmerin sprach den Satz aus „Wenn man nicht selbst steuert, wird man gesteuert.“ Wie wahr. Wenn man nichts in seinem Sinn ändert, beugt man sich den äußeren Umständen – also dem Zufall oder den Entscheidungen anderer Menschen. Laut der Mentaltrainerin unseres Kurses sollten bei Entscheidungen sowohl der Verstand als auch das Bauchgefühl miteinfließen, wobei das Bauchgefühl überwiegen sollte. Die Psychoanalytikerin Maja Storch empfiehlt, dass bei Entscheidungen zwei Drittel das Bauchgefühl ausmachen sollte und ein Drittel der Verstand.

Ideenkorb-Übung

Bei der ersten Übung, dem Ideenkorb nach Maja Storch, soll man Input von den anderen Kursteilnehmern erhalten, die einem, da sie ja fremd sind, unvoreingenommen gegenüberstehen.
Ein Thema, das in der Gruppe diskutiert wurde, war: Soll ich den Beruf wechseln? Die Gruppenteilnehmer schmissen ihre Gedanken dazu in den Raum. Eine Teilnehmerin zum Beispiel wies darauf hin, dass das die Teilnehmerin durch einen Berufswechsel eventuell die Flucht antreten will, anstatt ihre Bedürfnisse, nämlich die berufliche Weiterentwicklung, durchzusetzen. Sie wies darauf hin, dass ihr wohl die Stellung, die sie im Unternehmen einnimmt, nicht zusage. Diese Sichtweise hatte sie vorher nicht gesehen.

Wunschelemente-Technik

Die zweite Übung geht ebenso auf Maja Storch zurück: bei der Wunschelemente-Technik geht es darum, zwei Dinge (wie Gegenstand, Pflanze, Landschaft, Tier, etc.) zu nennen, die einem spontan in den Sinn kommen. Die zwei Dinge bzw. „Wunschelemente“ müssen nichts miteinander zu tun haben. Im nächsten Schritt überlegt man sich die Assoziationen dazu, also Eigenschaften, die man mit den Dingen verbindet. Als nächstes sagt man der Gruppe die zwei Wunschelemente vor, damit diese ihre eigenen Assoziationen dazu nennt. Aus den gesamten Assoziationen sucht man sich dann jeweils zwei aus. Damit formuliert man nun einen Leitsatz, mit dem man seine Entscheidungsproblematik angehen soll. Meine zwei Wunschelemente waren eine Bergwiese und Meer. Aus den gesammelten Assoziationen wählte ich bei der Bergwiese „Weitsicht“ und „Durchatmen“ und beim Meer „rauschend“ und „Tiefe“. Für das Entscheidungsthema „Wohnort wechseln“ entwickelte ich das Mantra „ich finde mit Weitsicht und Tiefe einen Wohnort, wo es rauschend ist und ich durchatmen kann.“

Motivationsblitzlichter

Die dritte Übung, die „Motivationsblitzlichter“ sollen einem nochmal bewusst machen, was einem selbst wichtig ist. Man notiert dazu auf kleinen Kärtchen die eigenen Kompetenzen, Erfahrungen, Stärken und Dinge, die einem Freude bereiten. Daraus kann man dann Input für die Entscheidungsfindung ziehen.

Weitere Methoden zur Entscheidungsfindung

Weitere Methoden zur Entscheidungsfindung, die ich noch empfehlen kann (die jedoch nicht im Kurs dran kamen), sind die Pro-Contra-Liste, das Münzwerfen und das Achten auf Körpersignale.

Die Pro-Contra-Liste ist eine Methode, die eher den Verstand anzapft, aber ebenso verdeutlicht, ob mehr Nachteile oder Vorteile aus einer Entscheidung entstehen.

Das Münzwerfen ist wiederum eine Methode, die mehr auf das Unterbewusstsein abzielt. Denn während wir die Münze werfen, kommt in uns schon ein Wunsch hinsichtlich des Ergebnisses auf. Dies zeigt auf, was unser Unterbewusstsein schon entschieden hat. Wer sich also wünscht, dass eine Entscheidung negativ ausfällt, kann sich klarmachen, dass ohnehin schon der Wunsch dagegen in einem drin war.

Eine weitere Methode, die eher auf die Nutzung der Intuition setzt, ist das Achten auf Körpersignale, wenn man an eine mögliche Entscheidung denkt. Diese Methode wird in der Fachsprache auch „Focussing“ genannt. Fühlt man sich eher angespannt, wenn man an einen möglichen Weg denkt oder entspannt? Ein Gefühl der Beklemmung ist ein Körpersignal, dass die Entscheidung für diese Sache nicht die richtige wäre, ein Gefühl der positiven Erregung und Freude dagegen ein Zeichen, dass es die richtige Entscheidung wäre.

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